Hygiene und Infektionsprävention

Händedesinfektion, Isolationsmassnahmen und der Umgang mit multiresistenten Erregern: Grundlagen der Spitalhygiene nach Swissnoso-Standards.

Nosokomiale Infektionen betreffen 5 bis 10% aller hospitalisierten Patienten und führen zu verlängerter Hospitalisierung, erhöhter Sterblichkeit und höheren Kosten. Die gute Nachricht: Etwa die Hälfte dieser Infektionen ist vermeidbar. Konsequente Hygienemassnahmen sind daher eine der wichtigsten Aufgaben im Pflegealltag.

Händehygiene: Die wichtigste Massnahme

Die Händedesinfektion ist die wirksamste Einzelmassnahme zur Prävention nosokomialer Infektionen. Sie ist einfach durchzuführen, kostengünstig und hochwirksam, wenn sie korrekt und zum richtigen Zeitpunkt erfolgt.

Die 5 Momente der Händehygiene (WHO)

1

Vor Patienten-kontakt

2

Vor aseptischen Tätigkeiten

3

Nach Kontakt mit Körper-flüssigkeiten

4

Nach Patienten-kontakt

5

Nach Kontakt mit Patienten-umgebung

Korrekte Durchführung

⚠ Händewaschen nur bei sichtbarer Verschmutzung

Händedesinfektion ist in der Regel wirksamer als Händewaschen mit Seife. Händewaschen ist nur notwendig bei sichtbarer Verschmutzung, nach Toilettengang oder bei bestimmten Erregern wie Clostridioides difficile (Sporen werden durch Alkohol nicht abgetötet).

Persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Die persönliche Schutzausrüstung schützt dich und deine Patienten vor Infektionsübertragung. Die Auswahl der PSA richtet sich nach dem Übertragungsweg des Erregers und der Art der Tätigkeit.

Komponenten der PSA

Reihenfolge beim An- und Ausziehen

  • Anziehen: Händedesinfektion → Kittel → Maske → Schutzbrille → Handschuhe
  • Ausziehen: Handschuhe → Händedesinfektion → Schutzbrille → Kittel → Maske → Händedesinfektion
  • PSA immer im Vorraum/Schleusenbereich ablegen, nie im Patientenzimmer
  • Nach Ablegen der PSA immer Händedesinfektion durchführen

Isolationsmassnahmen

Isolationsmassnahmen dienen dazu, die Übertragung von Krankheitserregern auf andere Patienten und Personal zu verhindern. Je nach Übertragungsweg werden verschiedene Isolationsarten unterschieden.

🧤 Kontaktisolation

  • Bei MRSA, VRE, ESBL und anderen MRE
  • Einzelzimmer wenn möglich
  • Handschuhe + Kittel bei Patientenkontakt
  • Patientenbezogene Pflegeutensilien

😷 Tröpfchenisolation

  • Bei Influenza, RSV, Pertussis, Meningokokken
  • Einzelzimmer, Tür geschlossen
  • Chirurgische Maske bei Kontakt <1-2m
  • Patient trägt Maske bei Transport

🌬️ Aerogene Isolation

  • Bei Tuberkulose, Masern, Varizellen
  • Einzelzimmer mit Unterdruckbelüftung
  • FFP2/FFP3-Maske für Personal
  • Tür immer geschlossen halten

Kohortierung

Wenn nicht genügend Einzelzimmer verfügbar sind, können Patienten mit dem gleichen Erreger im selben Zimmer untergebracht werden (Kohortierung). Dies ist besonders bei Ausbrüchen relevant.

Multiresistente Erreger (MRE)

Antibiotikaresistente Bakterien sind eine wachsende Bedrohung. Die häufigsten MRE im Spitalsetting sind MRSA, VRE und ESBL-bildende Enterobakterien. Swissnoso hat nationale Empfehlungen zur Prävention und Bekämpfung entwickelt.

🦠 MRSA: Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus

MRSA kann schwere Infektionen verursachen (Wundinfektionen, Pneumonie, Sepsis) und ist gegen viele Antibiotika resistent. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich über direkten Kontakt.

Massnahmen: Kontaktisolation, Einzelzimmer, Screening von Risikopatienten, Dekolonisationsbehandlung bei Trägern.

MRSA-Screening

Risikopatienten werden bei Eintritt auf MRSA gescreent. Dazu gehören Patienten mit:

Dekolonisation

Bei MRSA-Trägern wird eine Dekolonisationsbehandlung durchgeführt, um den Erreger zu eliminieren:

Flächendesinfektion und Aufbereitung

Kontaminierte Oberflächen und Medizinprodukte können Erreger übertragen. Die korrekte Reinigung und Desinfektion ist daher Teil der Infektionsprävention.

Patientennahe Flächen

Medizinprodukte

⚠ Kontaktzeit beachten

Desinfektionsmittel benötigen eine bestimmte Einwirkzeit, um wirksam zu sein. Lies die Herstellerangaben und wische nicht zu früh trocken. Bei MRE-Patienten können längere Einwirkzeiten oder spezielle Desinfektionsmittel erforderlich sein.

Organisation der Spitalhygiene

In Schweizer Akutspitälern ist ein Spitalhygiene-Team für die Überwachung und Beratung zuständig. Die strukturellen Mindestanforderungen sind von Swissnoso definiert.

Aufgaben des Spitalhygiene-Teams

Personalanforderungen nach Swissnoso

Pro 150 Betten ist mindestens ein Vollzeitäquivalent (Fachexperte/Fachexpertin für Infektionsprävention) erforderlich. Zusätzlich muss ein Facharzt/eine Fachärztin für Infektiologie mit Schwerpunkt Infektionsprävention beigezogen werden können.

Quellen und weiterführende Informationen