Nach der obligatorischen Schule stehst du vor einer wichtigen Entscheidung: Lehre oder weiterführende Schule? Im Gesundheitswesen führen beide Wege zum Ziel. Das Schweizer Bildungssystem ist durchlässig, sodass du auch nach einer Lehre studieren kannst. Hier erfährst du, welcher Weg zu dir passt.
Durchlässiges Bildungssystem
In der Schweiz ist kein Bildungsweg eine Sackgasse. Mit einer Berufsmaturität kannst du nach der Lehre an einer Fachhochschule studieren. Mit einem Passerellenjahr steht dir sogar die Uni offen. Das macht die Entscheidung weniger endgültig, als sie sich anfühlt.
Die Bildungswege im Überblick
Schweizer Bildungssystem Gesundheit
Lehre vs. Studium: Der direkte Vergleich
Berufliche Grundbildung
EFZ / EBADauer
- EBA: 2 Jahre
- EFZ: 3 Jahre
Verdienst während Ausbildung
- Lehrlingslohn ab 1. Jahr
- CHF 750 bis 1'550/Mt.
Lernform
- 60% Betrieb (Praxis)
- 30% Berufsfachschule
- 10% überbetriebliche Kurse
Schulischer Weg
FMS / GymnasiumDauer bis Abschluss
- FMS: 3 Jahre + Fachmaturität
- Gymnasium: 4 Jahre
Verdienst während Ausbildung
- Kein reguläres Einkommen
- Evtl. Stipendien möglich
Lernform
- Vollzeitschule
- Breite Allgemeinbildung
- Praktika (FMS)
Die Lehre: Praxis von Anfang an
Die berufliche Grundbildung kombiniert Arbeit im Lehrbetrieb mit schulischem Unterricht. Du verdienst vom ersten Tag an Geld und sammelst wertvolle Praxiserfahrung. Im Gesundheitswesen sind die beliebtesten Lehren:
- Fachfrau/Fachmann Gesundheit (FaGe) EFZ: 3 Jahre, direkter Patientenkontakt
- Medizinische Praxisassistent/in (MPA) EFZ: 3 Jahre, Arztpraxis
- Assistent/in Gesundheit und Soziales (AGS) EBA: 2 Jahre, Einstiegslehre
- Dentalassistent/in EFZ: 3 Jahre, Zahnarztpraxis
Vorteile und Nachteile der Lehre
Vorteile
- Lehrlingslohn von Anfang an
- Viel Praxiserfahrung
- Gute Jobchancen nach Abschluss
- Berufsmatura möglich (BM2)
- Sinnvolle Arbeit ab Tag 1
- Kürzerer Weg in den Beruf
Nachteile
- Spezialisiert auf einen Beruf
- Weniger breite Allgemeinbildung
- Körperlich anspruchsvoll
- Tieferer Einstiegslohn als FH
- Schichtarbeit schon früh
Der schulische Weg: FMS und Gymnasium
Wenn du lieber länger zur Schule gehst und dir verschiedene Optionen offenhalten möchtest, ist die Fachmittelschule (FMS) oder das Gymnasium der richtige Weg. Die FMS mit Berufsfeld Gesundheit bereitet dich gezielt auf ein Studium im Gesundheitswesen vor.
Fachmittelschule (FMS) Gesundheit
Die FMS dauert drei Jahre und schliesst mit dem Fachmittelschulausweis ab. Mit der anschliessenden Fachmaturität (ein weiteres Jahr mit Praktikum) erhältst du Zugang zu Fachhochschulstudiengängen wie Pflege, Physiotherapie, Ergotherapie oder Hebamme.
Jahre 1 bis 3: FMS
Breite Allgemeinbildung mit Fokus auf Gesundheit. Fächer wie Biologie, Chemie, Psychologie und Soziologie. Abschluss: Fachmittelschulausweis.
Jahr 4: Fachmaturität
24 Wochen Praktikum im Gesundheitswesen plus Fachmaturitätsarbeit. Abschluss: Fachmaturität Gesundheit.
Ab Jahr 5: FH-Studium
Bachelor in Pflege, Physiotherapie, Ergotherapie, Hebamme oder Ernährung und Diätetik an einer Fachhochschule.
Gymnasium mit Matura
Das Gymnasium führt zur gymnasialen Maturität und öffnet alle Türen: Universität, ETH, Fachhochschule. Im Gesundheitsbereich ermöglicht die Matura das Medizinstudium (Numerus clausus beachten), Pharmazie oder andere universitäre Studiengänge.
Vorteile und Nachteile des schulischen Wegs
Vorteile
- Breite Allgemeinbildung
- Viele Optionen offen
- Zugang zu FH und Uni
- Höhere Löhne nach Studium
- Akademischer Titel möglich
- Mehr Zeit für Berufswahl
Nachteile
- Kein Einkommen während Ausbildung
- Längerer Weg bis zum Beruf
- Weniger Praxisbezug
- Höhere Gesamtkosten
- Numerus clausus bei Medizin
Weiterbildungswege nach der Lehre
Eine Lehre ist keine Sackgasse. Mit dem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) stehen dir viele Türen offen. Das Schweizer Bildungssystem ermöglicht verschiedene Aufstiegswege:
| Abschluss | Zugang zu | Dauer |
|---|---|---|
| FaGe EFZ | Höhere Fachschule (HF) Pflege | 2 Jahre (verkürzt) |
| FaGe EFZ + BM | Fachhochschule (FH) Pflege | 3 Jahre |
| FaGe EFZ + BM + Passerelle | Universität | 1 Jahr Passerelle + Studium |
| AGS EBA | FaGe EFZ (verkürzt) | 2 Jahre |
Ich habe zuerst die FaGe-Lehre gemacht und dann die Berufsmatura nachgeholt. Heute studiere ich an der FH Pflege. Die Praxiserfahrung aus der Lehre hilft mir enorm.
Lohn: Langfristiger Vergleich
Ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung ist der Verdienst. Kurzfristig verdienst du mit einer Lehre früher Geld. Langfristig haben FH-Absolventinnen und -Absolventen höhere Löhne. Aber: Zufriedenheit im Beruf hängt von mehr ab als nur vom Gehalt.
| Abschluss | Einstiegslohn | Nach 10 Jahren |
|---|---|---|
| FaGe EFZ | CHF 4'500 bis 4'800 | CHF 5'500 bis 6'200 |
| Pflegefachperson HF | CHF 5'600 bis 6'000 | CHF 6'500 bis 7'500 |
| Pflegefachperson FH (BSc) | CHF 6'000 bis 6'500 | CHF 7'000 bis 8'500 |
| Physiotherapeut/in FH | CHF 5'800 bis 6'500 | CHF 7'500 bis 9'000 |
Diese Zahlen sind Richtwerte. Der tatsächliche Lohn hängt von Kanton, Arbeitgeber, Funktion und Spezialisierung ab.
Welcher Weg passt zu mir?
Entscheidungshilfe
Lehre ist richtig für dich, wenn du...
...gerne praktisch arbeitest, schnell Geld verdienen möchtest, dir einen konkreten Beruf vorstellen kannst und Freude am direkten Kontakt mit Menschen hast.
FMS/Gymnasium passt, wenn du...
...gerne lernst, dir verschiedene Optionen offenhalten willst, ein Studium anstrebst oder noch nicht sicher bist, welchen Beruf du genau willst.
Fragen, die dir helfen
- Wie lerne ich am liebsten? Praktisch im Betrieb oder theoretisch in der Schule?
- Brauche ich Einkommen? Muss ich mich finanziell selbst tragen?
- Weiss ich schon, was ich will? Habe ich einen konkreten Berufswunsch?
- Wie wichtig ist mir ein Studium? Möchte ich später forschen oder unterrichten?
- Wie lange will ich in der Ausbildung sein? Schnell arbeiten oder länger lernen?
Schnupperlehre empfohlen
Egal für welchen Weg du dich interessierst: Eine Schnupperlehre im Gesundheitswesen hilft enorm. Du erlebst den Berufsalltag hautnah und merkst schnell, ob die Arbeit mit Menschen zu dir passt.
Bildungsangebote in der Region Basel
Die Region Basel bietet alle Bildungswege im Gesundheitswesen. Für die FaGe-Lehre ist die Berufsfachschule Gesundheit Baselland (BfG) in Münchenstein zuständig. Die Fachmittelschule wird an verschiedenen Standorten angeboten, unter anderem in Muttenz und Liestal.
Für weiterführende Ausbildungen stehen die Höhere Fachschule Gesundheit (HFGS) und die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) zur Verfügung.
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