Fachkräftemangel in der Pflege

Zahlen, Ursachen und Lösungsansätze: Was gegen den Personalmangel in Schweizer Spitälern und Heimen getan wird.

Pflegefachpersonen sind in der Schweiz die am stärksten gesuchte Berufsgruppe. Über 8'600 offene Stellen waren Ende 2024 ausgeschrieben. Gleichzeitig verlassen viele Fachkräfte den Beruf vorzeitig. Die Pflegeinitiative soll Abhilfe schaffen, doch der Weg ist lang. Ein Überblick über die Lage und mögliche Lösungen.

8'623
Offene Stellen Nov. 2024
48
Tage Vakanzdauer
14'500
Fachkräfte fehlen bis 2030
67%
Deckungsgrad Tertiär

Die Zahlen im Detail

Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) veröffentlicht regelmässig Daten zum Pflegepersonal. Die aktuellen Zahlen zeigen: Der Bedarf übersteigt das Angebot deutlich.

Bedarf bis 2030

Um den Pflegebedarf der Schweizer Bevölkerung bis 2030 zu decken, werden rund 43'000 Pflegefachpersonen mit Tertiärabschluss (HF/FH) benötigt:

Deckungsgrad Pflegepersonal Tertiärstufe (Prognose 2029)

67% gedeckt
Ausgebildet: ~29'000 Bedarf: ~43'000

Bei der Sekundarstufe II (FaGe, AGS) sieht es etwas besser aus: Hier liegt der prognostizierte Deckungsgrad bei 80%. Dennoch bleibt eine Lücke.

Nationales Monitoring Pflegepersonal

Seit Juli 2024 gibt es unter pflegemonitoring.ch ein nationales Monitoring, das die Situation des Pflegepersonals abbildet. Es dient als Steuerungsinstrument für die Umsetzung der Pflegeinitiative.

Ursachen des Mangels

Der Fachkräftemangel hat vielfältige Gründe. Neben der demographischen Entwicklung spielen strukturelle Probleme im Berufsfeld eine zentrale Rolle.

👴 Demographischer Wandel

Mehr ältere Menschen brauchen Pflege, während gleichzeitig weniger Junge nachkommen.

🚪 Hohe Berufsausstiegsrate

46% der Pflegenden verlassen den Beruf vor der Pensionierung. Median: nach 15 Jahren.

Belastende Arbeitsbedingungen

Schichtarbeit, Personalmangel, hoher Zeitdruck und emotionale Belastung.

💰 Unattraktive Entlöhnung

Lohn steht oft nicht im Verhältnis zur Verantwortung und Belastung.

📉 Fehlende Karriereperspektiven

Wenig Aufstiegsmöglichkeiten ohne Wechsel ins Management oder Studium.

🏥 Unterfinanzierung

Gesundheitsinstitutionen fehlen Mittel für bessere Personalschlüssel.

«Die Arbeitssituation vieler Berufsangehöriger hat sich seit Corona vielerorts sogar verschlechtert. Es müssen neben einer umfassenden Umsetzung der Pflegeinitiative auch Sofortmassnahmen umgesetzt werden.»
— Yvonne Ribi, Geschäftsführerin SBK

Lösungsansätze

Der Fachkräftemangel lässt sich nur mit einem Bündel von Massnahmen bekämpfen. Hier die wichtigsten Ansätze auf verschiedenen Ebenen:

1

Ausbildungsoffensive (Pflegeinitiative Etappe 1)

Die erste Etappe der Pflegeinitiative zielt auf mehr Ausbildungsabschlüsse:

  • Finanzielle Unterstützung für Studierende (HF/FH)
  • Mehr praktische Ausbildungsplätze in Betrieben
  • Förderung innovativer Ausbildungsmodelle
  • Bessere Betreuung durch mehr Praxisausbildner/innen
2

Verbesserung der Arbeitsbedingungen (Pflegeinitiative Etappe 2)

Die zweite Etappe adressiert die Gründe für den Berufsausstieg:

  • Verlängerte Ankündigungsfristen für Dienstpläne
  • Zuschläge für kurzfristige Arbeitseinsätze
  • Bessere Personalschlüssel
  • Stärkung der Selbstständigkeit und Kompetenzen
3

Internationale Rekrutierung

Die Schweiz rekrutiert seit Jahren Personal aus dem Ausland:

  • Anerkennung ausländischer Diplome durch SRK
  • Gezielte Anwerbung in EU-Ländern
  • Kritik: Ethische Bedenken («Brain Drain»), keine nachhaltige Lösung
  • WHO Global Code of Practice wird oft nicht eingehalten
4

Digitalisierung und Skill-Grade-Mix

Technologie und neue Arbeitsmodelle können entlasten:

  • Elektronisches Patientendossier (EPD) reduziert Doppelspurigkeiten
  • Pflegeroboter für Logistik und einfache Tätigkeiten
  • Optimierter Einsatz verschiedener Qualifikationsstufen
  • Entlastung von administrativen Aufgaben
5

Wiedereinstieg und Verbleib fördern

Massnahmen, um ausgestiegene Fachkräfte zurückzuholen:

  • Wiedereinstiegsprogramme mit Auffrischungskursen
  • Flexible Arbeitsmodelle (Teilzeit, Jobsharing)
  • Altersgerechte Arbeitsplätze für ältere Pflegende
  • Betreuungsangebote für Pflegende mit Kindern

Keine schnelle Lösung

Selbst bei optimaler Umsetzung aller Massnahmen wird es Jahre dauern, bis sich die Situation verbessert. Eine HF-Ausbildung dauert 3 Jahre, ein FH-Studium 4 Jahre. Die Wirkung der Ausbildungsoffensive zeigt sich frühestens ab 2027.

Situation in der Region Basel

Die Nordwestschweiz ist wie andere Regionen stark vom Fachkräftemangel betroffen. Gleichzeitig bietet die Region mit dem Universitätsspital Basel, den Kantonsspitälern und zahlreichen Langzeitpflegeeinrichtungen viele Arbeitsplätze.

Besonderheiten der Region

Ausbildungsbeiträge Basel

Die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft setzen die Ausbildungsoffensive aktiv um. Pflegestudierende können finanzielle Unterstützung beantragen. Mehr Infos bei den kantonalen Gesundheitsdepartementen.

Quellen und weiterführende Informationen