Wundmanagement in der Pflege

Wundarten, Wundheilungsphasen und moderne Wundauflagen: Grundlagen für eine fachgerechte Wundversorgung im Pflegealltag.

Wundversorgung gehört zu den häufigsten pflegerischen Tätigkeiten. Ob akute Verletzungen oder chronische Wunden wie Dekubitus und Ulcus cruris: Die richtige Beurteilung und Behandlung entscheidet über den Heilungserfolg. Modernes Wundmanagement basiert auf dem Prinzip der feuchten Wundheilung und erfordert fundiertes Wissen über Wundauflagen und Heilungsphasen.

Wundarten unterscheiden

Akute Wunden

Akute Wunden entstehen durch äussere Einwirkungen und heilen in der Regel komplikationslos innerhalb von Tagen bis Wochen ab.

Chronische Wunden

Von einer chronischen Wunde spricht man, wenn sie nach 4-12 Wochen keine Heilungstendenz zeigt. In der Schweiz sind etwa 1% der Bevölkerung betroffen, bei über 80-Jährigen über 3%.

Dekubitus-Prävalenz in der Schweiz

Die Häufigkeit von Dekubitus in Schweizer Spitälern liegt bei etwa 5,8% für alle Schweregrade. Prävention durch regelmässige Umlagerung, Druckentlastung und Hautpflege ist zentral.

Wundheilungsphasen

Die Wundheilung verläuft in drei überlappenden Phasen. Das Verständnis dieser Phasen ist wichtig für die Wahl der richtigen Wundauflage.

1

Exsudationsphase (Reinigungsphase)

Tag 1-3: Blutung, Entzündungsreaktion, Exsudation. Körpereigene Reinigung durch Makrophagen. Wunde ist gerötet, geschwollen, warm und oft schmerzhaft. Ziel: Keimabwehr, Abtransport von Zelltrümmern.

2

Granulationsphase (Proliferationsphase)

Tag 2-14: Neubildung von Bindegewebe und Blutgefässen. Granulationsgewebe erscheint rot, körnig, feucht und gut durchblutet. Wunde beginnt sich vom Rand her zu verkleinern. Ziel: Defektauffüllung.

3

Epithelisierungsphase (Remodellierung)

Tag 3-21 (bis Monate): Hautzellen wandern vom Wundrand über das Granulationsgewebe. Narbenbildung und Reifung. Neues Gewebe ist zunächst rosa, dünn und empfindlich. Ziel: Wundverschluss.

⚠ Störfaktoren der Wundheilung

Verschiedene Faktoren können die Wundheilung verzögern: Diabetes mellitus, Durchblutungsstörungen, Mangelernährung, Immunsuppression, Infektionen, Medikamente (z.B. Kortison), Rauchen, hohes Alter und schlechter Ernährungszustand.

Moderne Wundauflagen

Die moderne Wundversorgung basiert auf dem Prinzip der feuchten Wundheilung. Ein idealfeuchtes Wundmilieu fördert die Zellmigration, verhindert Austrocknung und Schorfbildung und reduziert Schmerzen beim Verbandwechsel.

Hydrogele

Hoher Wasseranteil, spenden Feuchtigkeit, kühlen angenehm.

Für: Trockene, nekrotische Wunden, Granulation

Hydrokolloide

Bilden mit Exsudat ein feuchtes Gel, selbstklebend.

Für: Leicht exsudierende Wunden, Epithelisierung

Schaumverbände (PU-Schaum)

Hohe Saugkapazität, polstern gut, nicht verklebend.

Für: Mässig bis stark exsudierende Wunden

Alginate

Aus Braunalgen, sehr hohe Saugkraft, bilden Gel.

Für: Stark exsudierende, tiefe Wunden

Hydrofaser

Faserstruktur, transformiert zu kohäsivem Gel.

Für: Stark exsudierende Wunden, Tamponade

Silberhaltige Auflagen

Antimikrobielle Wirkung durch Silberionen.

Für: Infizierte oder infektionsgefährdete Wunden

Aktivkohleauflagen

Binden Gerüche und Bakterien.

Für: Übelriechende, stark besiedelte Wunden

Folienverbände

Transparent, wasserdicht, sauerstoffdurchlässig.

Für: Schutz, Fixierung, oberflächliche Wunden

Wundauflage passend zur Phase wählen

Reinigungsphase: Saugfähige Auflagen (Alginate, Hydrofaser), ggf. antimikrobiell. Granulationsphase: Feuchthaltende Auflagen (Hydrogel, Schaumverband). Epithelisierungsphase: Schützende, nicht verklebende Auflagen (Hydrokolloid, Folien).

Wundbeurteilung und Dokumentation

Eine systematische Wundbeurteilung ist die Grundlage für die Therapieplanung. Sie sollte bei jedem Verbandwechsel erfolgen und dokumentiert werden.

Kriterien der Wundbeurteilung

  • Lokalisation: Wo befindet sich die Wunde?
  • Grösse: Länge, Breite, Tiefe in cm (Fotodokumentation)
  • Wundgrund: Nekrose, Fibrin, Granulation, Epithelisierung
  • Exsudat: Menge, Farbe, Konsistenz, Geruch
  • Wundrand: Unterminiert, mazeriert, hyperkeratotisch?
  • Wundumgebung: Rötung, Schwellung, Temperatur
  • Infektzeichen: Rötung, Überwärmung, Schwellung, Eiter, Schmerz
  • Schmerzen: Intensität, Qualität, Zeitpunkt

Zeichen einer Wundinfektion

  • Zunehmende Rötung und Überwärmung um die Wunde
  • Schwellung der Wundumgebung
  • Eitriges, übelriechendes Exsudat
  • Zunehmende Schmerzen
  • Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl
  • Stagnation oder Rückschritt der Heilung

Praktische Tipps für den Verbandwechsel

Vorbereitung

Durchführung

⚠ Aseptisches Arbeiten

Bei chronischen Wunden und Wunden mit erhöhtem Infektionsrisiko ist streng aseptisches Arbeiten erforderlich. Verwende sterile Materialien und Non-Touch-Technik (Pinzetten statt Finger).

Quellen und weiterführende Informationen