Künstliche Intelligenz, elektronisches Patientendossier, Pflegeroboter: Die Digitalisierung verändert das Gesundheitswesen grundlegend. Für Pflegefachpersonen bedeutet das neue Kompetenzen, aber auch Entlastung im Arbeitsalltag. Hier erfährst du, was jetzt schon möglich ist und wohin die Reise geht.
Digitalisierung auf einen Blick
Die wichtigsten digitalen Technologien
Die Digitalisierung in der Pflege umfasst verschiedene Technologien, die den Arbeitsalltag verändern. Einige sind bereits etabliert, andere stehen noch am Anfang. Hier sind die wichtigsten Entwicklungen:
Elektronisches Patientendossier (EPD)
Digitale Sammlung deiner Gesundheitsdaten: Befunde, Medikamente, Impfausweis. Für Spitäler und Pflegeheime bereits obligatorisch.
Telemedizin
Per Video zugeschaltete Fachärzte bringen Klärung und ersparen aufwändige Transporte. Auch Vitalzeichen können via Telemonitoring übermittelt werden.
KI-gestützte Dokumentation
Pflegeberichte einsprechen statt tippen: KI wandelt Sprache in strukturierte Texte um und spart bis zu 90% der Dokumentationszeit.
Pflegeroboter
Humanoide Roboter wie "Pepper" führen Gymnastik durch, erinnern an Medikamente oder unterhalten Bewohner. Transport- und Serviceroboter entlasten bei Logistik.
Das elektronische Patientendossier (EPD)
Das EPD ist die digitale Sammlung deiner persönlichen Gesundheitsdaten. Austrittsberichte, Medikationslisten, Röntgenbilder oder der Impfausweis sind jederzeit über eine sichere Internetverbindung abrufbar. Für dich als Pflegefachperson bedeutet das: schneller Zugang zu wichtigen Informationen.
Neues Bundesgesetz: Vom EPD zum E-GD
Bundesratsbeschluss vom 5. November 2025Das elektronische Patientendossier wird zum elektronischen Gesundheitsdossier (E-GD) weiterentwickelt. Jede Person in der Schweiz erhält künftig automatisch ein E-GD. Die Nutzung bleibt freiwillig, aber alle Gesundheitsdienstleister (auch Arztpraxen und Apotheken) müssen es unterstützen.
Künstliche Intelligenz in der Pflege
KI-Anwendungen verändern den Pflegealltag bereits heute. Die grösste Zeitersparnis bringt die sprachgesteuerte Dokumentation: Du sprichst den Pflegebericht ins Smartphone, die KI wandelt ihn in strukturierten Text um und überträgt die Daten in die Pflegesoftware.
Was KI heute schon kann
- Sprachgesteuerte Dokumentation: Pflegeberichte einsprechen statt tippen. Eine Strukturierte Informationssammlung (SIS), die sonst 20 Minuten dauert, erstellt KI in etwa 2 Minuten.
- Muster erkennen: KI analysiert Vitalwerte und erkennt Verschlechterungen, bevor sie offensichtlich werden. Frühwarnsysteme für Stürze oder Dekubitus.
- Dienstplanung optimieren: Algorithmen berechnen den Personalbedarf und berücksichtigen Qualifikationen, Auslastung und Wünsche der Mitarbeitenden.
- Bildanalyse: KI erkennt Hautveränderungen, Wunden oder Anomalien auf Fotos und unterstützt bei der Einschätzung.
KI ersetzt nicht, sie entlastet
Wichtig: KI soll Pflegekräfte nicht ersetzen, sondern ihnen mehr Zeit für das Wesentliche geben: die direkte Betreuung der Patientinnen und Patienten. Die menschliche Zuwendung bleibt das Herzstück der Pflege.
Roboter in der Pflege: Wo stehen wir?
In der Schweiz werden Pflegeroboter erst vereinzelt eingesetzt. Eine Befragung von 466 Alterseinrichtungen zeigt: Etablierte Technologien wie Sturzmatten und Pflegesoftware sind weit verbreitet, Roboter hingegen selten. Das ändert sich langsam.
Arten von Pflegerobotern
- Soziale Roboter: Humanoide Roboter wie "Pepper" führen Gymnastik durch, lesen vor oder unterhalten Bewohner.
- Transportroboter: Übernehmen die Speisenlogistik, Wäschetransport oder Materialverteilung.
- Reinigungsroboter: Übernehmen Bodenreinigung und Desinfektion autonom.
- Überwachungsroboter: Erinnern an Medikamente, überwachen Vitalzeichen oder alarmieren bei Stürzen.
Roboter werden Menschen nie ersetzen können, aber sie können uns Routineaufgaben abnehmen, damit wir mehr Zeit für das haben, was wirklich zählt: echte menschliche Begegnung.
Chancen und Herausforderungen
Chancen
- Weniger Zeitaufwand für Dokumentation
- Mehr Zeit für direkte Patientenbetreuung
- Schnellerer Zugang zu Patientendaten
- Früherkennung von Komplikationen
- Entlastung bei körperlich schweren Aufgaben
- Bessere Vernetzung zwischen Leistungserbringern
Herausforderungen
- Digitale Kompetenz muss aufgebaut werden
- Investitionskosten für Einrichtungen
- Datenschutz und Sicherheit
- Technische Störungen im Alltag
- Akzeptanz bei Pflegebedürftigen
- Ethische Fragen bei Robotereinsatz
Was bedeutet das für deine Ausbildung?
Die Digitalisierung verändert auch die Anforderungen an Pflegefachpersonen. Neben den klassischen Pflegekompetenzen werden digitale Fähigkeiten immer wichtiger. Die Ausbildungen passen sich an:
Neue Kompetenzen in der Ausbildung
- Digitale Grundkompetenzen: Umgang mit Pflegesoftware, Tablets und digitalen Dokumentationssystemen
- EPD-Kompetenz: Daten erfassen, abrufen und interpretieren im elektronischen Patientendossier
- Datenschutz: Sensibilität für Datensicherheit und rechtliche Rahmenbedingungen
- Kritisches Denken: KI-Ergebnisse hinterfragen und klinisches Urteilsvermögen einsetzen
Lebenslang lernen
Die Technologie entwickelt sich schnell weiter. Wer heute in die Pflege einsteigt, wird im Laufe des Berufslebens mehrfach neue Tools und Systeme lernen. Offenheit für Veränderung und Lernbereitschaft sind wichtige Eigenschaften.
Ausblick: Was kommt bis 2030?
2025: DigiSanté startet
Das Bundesprogramm zur Digitalisierung des Gesundheitswesens läuft bis 2034. FHIR-Schnittstellen werden gesetzlich verankert.
2027: FHIR-Standard obligatorisch
Alle EPD-Plattformen müssen den internationalen Standard HL7 FHIR umsetzen. Besserer Datenaustausch zwischen Systemen.
2028: E-GD löst EPD ab
Das neue elektronische Gesundheitsdossier wird automatisch für alle in der Schweiz wohnhaften Personen eröffnet.
2030: KI im Regelbetrieb
Sprachgestützte Dokumentation und KI-basierte Entscheidungsunterstützung sind Standard in den meisten Pflegeeinrichtungen.
Bereit für die digitale Zukunft?
Die Gesundheitsberufe bieten spannende Perspektiven in einer sich wandelnden Branche.
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