Achtsamkeit im Klinikalltag: In 3 Minuten zur Ruhe finden

Achtsamkeit Klinikalltag - BFG Baselland

Der Pflegealltag ist geprägt von Stress, Zeitdruck und emotionaler Belastung. Achtsamkeit bietet einen Weg, auch in hektischen Momenten innere Ruhe zu finden. Das Beste: Du brauchst nur wenige Minuten und keine besondere Ausrüstung. Die Wirkung ist wissenschaftlich belegt.

«Achtsamkeit bedeutet, auf eine bestimmte Weise aufmerksam zu sein: bewusst, im gegenwärtigen Moment und ohne zu urteilen.»

Jon Kabat-Zinn, Begründer von MBSR

Was ist Achtsamkeit?

Achtsamkeit ist die Fähigkeit, ganz im gegenwärtigen Moment präsent zu sein. Ohne an die Vergangenheit zu denken oder sich um die Zukunft zu sorgen. Ohne zu bewerten, ob etwas gut oder schlecht ist. Einfach wahrnehmen, was gerade ist.

Im Klinikalltag heisst das: Wenn du einen Patienten versorgst, bist du ganz bei diesem Patienten. Nicht gedanklich beim nächsten Zimmer oder beim Streit von gestern. Diese fokussierte Präsenz reduziert nachweislich Stress und Fehler.

MBSR: Die wissenschaftliche Grundlage

MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction) wurde 1979 von Prof. Dr. Jon Kabat-Zinn an der University of Massachusetts entwickelt. Er verband buddhistische Meditationstechniken mit moderner Medizin.

Das Programm wird weltweit in Kliniken, Unternehmen und Bildungseinrichtungen angewendet. In Deutschland ist MBSR als verhaltensmedizinisches Verfahren anerkannt und in den S3-Leitlinien für Komplementärmedizin verankert.

Wissenschaftlich belegte Wirkungen

MBSR ist das am umfangreichsten untersuchte Achtsamkeitstraining weltweit. Hunderte Studien belegen die positiven Effekte auf Körper und Psyche.

Weniger Stress

Signifikante Reduktion von Stresshormonen und Stresserleben

Weniger Angst

Wirksam bei Angststörungen und allgemeiner Ängstlichkeit

Weniger Depression

Nachgewiesene Wirkung bei depressiven Symptomen

Bessere Konzentration

Erhöhte Fokussierungsfähigkeit und Aufmerksamkeit

Besserer Schlaf

Verbesserte Schlafqualität und leichteres Einschlafen

Mehr Resilienz

Stärkere Widerstandsfähigkeit gegen Belastungen

Forschungsergebnisse

Meta-Studien bestätigen die Wirksamkeit von MBSR bei verschiedenen Beschwerden. Die Effekte sind messbar und reproduzierbar.

  • Signifikante Verbesserung des körperlichen Allgemeinbefindens
  • Verbesserte gesundheitsbezogene Lebensqualität
  • Reduktion von Symptomen bei chronisch Kranken
  • Besserer Umgang mit Schmerzen und Krankheit
  • Positive Veränderungen der Hirnstruktur (Neuroplastizität)

Der 3-Minuten-Atemraum

Diese Kurzmeditation ist ideal für den Arbeitsalltag. Du kannst sie überall durchführen: am Schreibtisch, im Pausenraum, sogar auf dem Flur. Sie hilft dir, aus dem Autopiloten auszusteigen und bewusst innezuhalten.

3 Minuten Der Atemraum
1

Minute 1: Wahrnehmen

Halte inne und frage dich: Was erlebe ich gerade? Welche Gedanken sind da? Welche Gefühle? Welche Körperempfindungen? Nimm alles wahr, ohne es zu bewerten.

2

Minute 2: Sammeln

Lenke deine Aufmerksamkeit auf den Atem. Spüre, wie sich dein Bauch beim Einatmen hebt und beim Ausatmen senkt. Der Atem ist dein Anker im Hier und Jetzt.

3

Minute 3: Erweitern

Weite deine Aufmerksamkeit auf den ganzen Körper aus. Spüre deinen Körper als Ganzes. Nimm den Raum um dich herum wahr. Öffne die Augen und kehre zur Aktivität zurück.

Tipp: Übe den Atemraum zunächst in ruhigen Momenten, bis er dir vertraut ist. Dann kannst du ihn auch in stressigen Situationen anwenden.

Weitere Kurzübungen für den Alltag

Nicht immer hast du drei Minuten Zeit. Diese Übungen funktionieren auch in noch kürzerer Zeit und lassen sich nahtlos in den Arbeitsalltag integrieren.

30 Sekunden

Der bewusste Atemzug

Nimm dir zwischen zwei Handlungen einen bewussten Atemzug. Atme tief ein, halte kurz inne, atme langsam aus. Schon ein einziger bewusster Atemzug kann die Perspektive verändern.

1 Minute

Der Body Check

Scanne kurz durch deinen Körper: Wo gibt es Anspannung? Schultern? Kiefer? Stirn? Lasse die Spannung bewusst los. Besonders hilfreich nach belastenden Situationen.

1 Minute

Die Füsse spüren

Lenke deine Aufmerksamkeit auf deine Füsse. Spüre den Kontakt zum Boden. Das «erdet» dich buchstäblich und holt dich aus Gedankenspiralen zurück ins Hier und Jetzt.

2 Minuten

Achtsames Händewaschen

Nutze das häufige Händewaschen als Achtsamkeitsübung. Spüre das Wasser, die Temperatur, die Seife, die Bewegungen. Eine Alltagshandlung wird zur Meditation.

Achtsamkeit in den Arbeitsalltag integrieren

Die grösste Herausforderung ist nicht das Erlernen der Übungen, sondern das Erinnern, sie auch anzuwenden. Diese Strategien helfen dabei:

1

Trigger setzen

Verknüpfe die Übung mit einer wiederkehrenden Handlung: Nach jedem Händewaschen ein bewusster Atemzug. Vor jedem Patientenzimmer kurz innehalten.

2

Klein anfangen

Beginne mit einer einzigen Übung, einer einzigen Situation. Erst wenn das zur Gewohnheit geworden ist, kommt das Nächste dazu.

3

Regelmässigkeit vor Dauer

Schon 2 bis 10 Minuten täglich reichen aus, um positive Effekte zu spüren. Entscheidend ist nicht die Länge, sondern die Regelmässigkeit.

4

Im Team üben

Frage Kolleginnen und Kollegen, ob sie mitmachen wollen. Gemeinsam fällt es leichter, dranzubleiben. Manche Teams starten Sitzungen mit einem kurzen Atemraum.

Die Stoppuhr-Methode

Stelle dir jede Stunde einen kurzen Alarm. Wenn er klingelt, halte inne und nimm drei bewusste Atemzüge. Das unterbricht den Autopiloten und verhindert, dass sich Stress unbemerkt aufbaut.

Achtsamkeit für Patienten

Die Techniken, die du für dich selbst lernst, kannst du auch an Patienten weitergeben. Achtsamkeit hilft bei Angst vor Eingriffen, chronischen Schmerzen und der Bewältigung von Krankheit.

Weiterbildung und Vertiefung

Wenn du Achtsamkeit vertiefen möchtest, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ein vollständiger MBSR-Kurs dauert acht Wochen und wird von vielen Krankenkassen als Präventionsmassnahme bezuschusst.

Zusammenfassung

Bei chronischem Stress kann Achtsamkeit allein nicht ausreichen. Professionelle Stressbewältigung durch Hypnose geht tiefer und löst auch unbewusste Stressmuster auf.