Resilienz wird auch als das «Immunsystem der Seele» bezeichnet. In der Pflege ist sie die Voraussetzung für ein langes, gesundes Berufsleben. Die gute Nachricht: Resilienz ist erlernbar, lässt sich gezielt trainieren.
Was ist Resilienz?
Der Begriff stammt vom lateinischen resilire (zurückspringen). Resiliente Menschen finden selbst nach schweren Krisen wieder ins Gleichgewicht. Sie können Stress bewältigen, ohne daran zu zerbrechen, gehen oft gestärkt aus Herausforderungen hervor.
Die 7 Säulen der Resilienz
Das Modell der 7 Säulen der Resilienz wurde von der Diplompsychologin Ursula Nuber entwickelt und ist eines der bekanntesten Resilienz-Modelle im deutschsprachigen Raum. Jede Säule steht für eine trainierbare Fähigkeit.
Die Kauai-Studie: Resilienz ist erlernbar
Die Psychologin Emmy Werner begleitete 698 Kinder auf Hawaii über 40 Jahre. Trotz schwieriger Startbedingungen (Armut, Missbrauch, psychisch kranke Eltern) entwickelte sich ein Drittel zu stabilen, glücklichen Erwachsenen. Fazit: Resilienz ist nicht angeboren, sondern kann entwickelt werden.
Praktische Übungen für den Pflegealltag
Die 4-7-8-Atemübung (Soforthilfe bei Stress)
- Einatmen: Durch die Nase 4 Sekunden lang einatmen
- Halten: Den Atem 7 Sekunden lang anhalten
- Ausatmen: Durch den Mund 8 Sekunden lang ausatmen
- Wiederholen: 3-4 Durchgänge für spürbare Entspannung
Das Glückstagebuch
Ein Glückstagebuch ist eine der wirksamsten Resilienz-Übungen. Schreibe jeden Abend auf:
- 3 Dinge, für die du heute dankbar bist
- 1 Sache, die du gut gemacht hast
- 1 schöner Moment, auch wenn er klein war
Durch das regelmässige Aufschreiben trainierst du dein Gehirn, positive Dinge bewusster wahrzunehmen. Nach wenigen Wochen verändert sich die Wahrnehmung messbar.
Das Feldtagebuch
Ein Feldtagebuch hilft, erfolgreiche Bewältigungsstrategien zu erkennen und für künftige Stresssituationen zu trainieren:
- Situation: Was ist passiert?
- Reaktion: Wie habe ich reagiert?
- Ergebnis: Was hat funktioniert, was nicht?
- Lernen: Was nehme ich mit?
7 Strategien für mehr Resilienz im Pflegealltag
Netzwerk stärken
Pflege bewusst Kontakte zu Kolleg:innen. Austausch hilft bei der Verarbeitung und schafft ein Sicherheitsnetz.
Pausen ernst nehmen
Auch kurze Pausen zählen. 5 Minuten bewusst durchatmen ist besser als keine Pause.
Erfolge wahrnehmen
Feiere kleine Erfolge bewusst. Ein dankbares Lächeln einer Patientin zählt genauso wie grosse Meilensteine.
Grenzen setzen
«Nein» sagen ist keine Schwäche. Wer sich überlastet, hilft langfristig niemandem.
Körper nicht vergessen
Bewegung, gesunder Schlaf und Ernährung sind die Basis. Achte auf Körpersignale.
Über Belastungen sprechen
Gefühle zuzulassen und auszusprechen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke.
Hobbys pflegen
Ausgleich ausserhalb der Arbeit ist essenziell. Was gibt dir Energie? Tu mehr davon.
Kritische Anmerkung
Resilienz ist wichtig, aber kein Allheilmittel für strukturelle Probleme in der Pflege. Personalmangel, Überstunden und unzureichende Vergütung können nicht allein durch individuelle Widerstandskraft kompensiert werden. Resilienz ist ein Werkzeug, keine Lösung für systemische Mängel.
Team-Resilienz in der Pflege
In der Pflege ist Team-Resilienz mindestens so wichtig wie individuelle Widerstandskraft. Vertrauensvolle Zusammenarbeit ist unverzichtbar, stärkt jeden Einzelnen.
«Ein resilientes Team trägt, wenn einzelne Mitglieder schwächeln. Und das Wissen darum, aufgefangen zu werden, macht wiederum jeden Einzelnen stärker.»
Was Team-Resilienz fördert
- Erfolge gemeinsam feiern: Auch kleine Erfolge bewusst anerkennen
- Stärken würdigen: Was kann jede/r im Team besonders gut?
- Wertschätzung kommunizieren: Danke sagen, konkret und regelmässig
- Ressourcen aktivieren: Wer hat gerade Kapazitäten? Wer braucht Entlastung?
- Offene Fehlerkultur: Aus Fehlern lernen statt Schuld zuweisen
Unterstützung auf verschiedenen Ebenen
Was du selbst tun kannst
- Atemübungen in den Alltag integrieren
- Glückstagebuch führen
- Netzwerk aktiv pflegen
- Warnsignale ernst nehmen
- Weiterbildung in Resilienz besuchen
Was Arbeitgeber tun können
- Supervision und kollegiale Beratung anbieten
- Resilienz-Trainings finanzieren
- Pausen ermöglichen und fördern
- Wertschätzende Führungskultur leben
- Strukturelle Belastungen reduzieren
Wenn die Belastung zu gross wird und eigene Ressourcen nicht mehr ausreichen, ist professionelle Unterstützung wichtig. Burnout-Prävention in Basel bietet präventive Begleitung, bevor es zur Erschöpfung kommt.