Burnout im Gesundheitswesen: Erkennen, Vorbeugen, Handeln

Burnout Gesundheitswesen - BFG Baselland

Pflegefachpersonen gehören zu den am stärksten von Burnout betroffenen Berufsgruppen. Die Kombination aus emotionaler Arbeit, Personalmangel, langen Arbeitszeiten und hoher Verantwortung führt zu einer erhöhten Gefährdung. Doch Burnout ist kein unvermeidbares Schicksal. Hier erfährst du, wie du Warnsignale erkennst und dich schützen kannst.

20 bis 40%
der Pflegefachkräfte mit Burnout-Symptomen
USZ-Studie
51,8%
mit emotionaler Erschöpfung
Post-COVID Studie CH
2x
so hohe Burnout-Rate wie andere Berufe
AOK-Studie 2021
220'000
Pflegefachpersonen in der Schweiz
SBK

Was ist Burnout?

Burnout ist ein Zustand körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung, der durch anhaltenden beruflichen Stress entsteht. Es ist mehr als nur "müde sein": Betroffene fühlen sich leer, ausgebrannt und verlieren die Freude an der Arbeit, die ihnen früher Sinn gegeben hat.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Burnout durch drei Kernmerkmale:

Keine anerkannte Berufskrankheit

In der Schweiz ist Burnout nicht als Berufskrankheit anerkannt. Eine entsprechende Initiative wurde 2019 vom Nationalrat abgelehnt. Das erschwert die Anerkennung und den Zugang zu Leistungen der Unfallversicherung.

Warnsignale: Burnout erkennen

Burnout entwickelt sich schleichend. Je früher du die Warnsignale erkennst, desto besser kannst du gegensteuern. Achte auf diese Anzeichen bei dir selbst und bei Kolleginnen und Kollegen:

Chronische Müdigkeit

Du fühlst dich ständig erschöpft, auch nach dem Wochenende oder den Ferien. Schlaf bringt keine Erholung mehr.

Zynismus und Distanz

Du sprichst abwertend über Patienten oder Kollegen. Die Arbeit fühlt sich sinnlos an.

Leistungsabfall

Aufgaben, die du früher locker bewältigt hast, werden zur Herausforderung. Konzentration fällt schwer.

Sozialer Rückzug

Du meidest Kontakte, ziehst dich von Familie und Freunden zurück, hast keine Energie mehr für Hobbys.

Körperliche Beschwerden

Kopfschmerzen, Muskelverspannungen, Verdauungsprobleme, häufige Infekte ohne erkennbare Ursache.

Schlafstörungen

Du kannst nicht einschlafen, wachst nachts auf, grübelst über die Arbeit. Oder du schläfst extrem viel, bist aber nicht erholt.

Die Phasen des Burnout

Burnout entwickelt sich typischerweise in mehreren Phasen. Das Erkennen der eigenen Position in diesem Verlauf hilft, rechtzeitig zu handeln.

1

Idealistische Begeisterung

Hohe Motivation, überdurchschnittlicher Einsatz, Vernachlässigung eigener Bedürfnisse zugunsten der Arbeit. "Ich schaffe das alles."

2

Stillstand und Desillusionierung

Erste Zweifel, reduziertes Engagement, Gefühl, nicht genug Anerkennung zu bekommen. Die Realität kollidiert mit den Idealen.

3

Frustration und Zynismus

Zunehmende Negativität, emotionaler Rückzug, körperliche Symptome. Patienten werden als Belastung empfunden.

4

Apathie und Zusammenbruch

Vollständige Erschöpfung, Depression, Unfähigkeit zu arbeiten. Professionelle Hilfe ist jetzt dringend nötig.

Nicht warten!

Je früher du handelst, desto besser die Prognose. Wenn du dich in Phase 2 oder 3 erkennst, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, etwas zu ändern. Warte nicht, bis du zusammenbrichst.

Warum trifft es Pflegefachpersonen besonders?

Die Pflege vereint mehrere Risikofaktoren für Burnout: emotionale Arbeit, Schichtdienst, Personalmangel und ein chronisch hoher Workload. Dazu kommt oft eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität.

Fast niemand im Pflegeberuf hält mehr als ein 80-Prozent-Pensum aus. Zeit ist in der Pflege absolute Mangelware.

Yvonne Ribi, Geschäftsführerin SBK

Prävention: Was du tun kannst

Burnout-Prävention ist eine gemeinsame Aufgabe von dir selbst und deinem Arbeitgeber. Hier sind konkrete Massnahmen:

Was du selbst tun kannst

  • Regelmässige Pausen einhalten, auch wenn es stressig ist
  • Klare Grenzen setzen und auch mal Nein sagen
  • Erholungsrituale pflegen (Sport, Natur, Hobbys)
  • Soziale Kontakte ausserhalb der Arbeit pflegen
  • Supervision oder Peer-Support nutzen
  • Eigene Stresssignale ernst nehmen
  • Auf guten Schlaf achten
  • Professionelle Hilfe suchen, wenn nötig

Was Arbeitgeber tun können

  • Realistische Personalschlüssel sicherstellen
  • Regelmässige Supervisionsangebote
  • Gesundheitsförderungsprogramme anbieten
  • Wertschätzende Unternehmenskultur fördern
  • Flexible Arbeitszeitmodelle ermöglichen
  • Fortbildungen zur Stressbewältigung
  • Niederschwellige psychologische Beratung
  • Betriebliches Gesundheitsmanagement

Hilfe holen: Anlaufstellen

Wichtige Kontakte

Die Dargebotene Hand
143
24/7 erreichbar, anonym und kostenlos
Pro Mente Sana
0848 800 858
Beratung zu psychischer Gesundheit
Hausarzt/Hausärztin
Erste Anlaufstelle
Kann an Spezialisten überweisen

Scheue dich nicht, Hilfe zu holen. Burnout ist keine Schwäche, sondern die Folge von anhaltender Überlastung. Je früher du dir Unterstützung holst, desto schneller und vollständiger kannst du dich erholen.

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Neben klassischen Anlaufstellen gibt es auch spezialisierte Therapieangebote. Professionelle Burnout-Hilfe in Basel bietet individuelle Begleitung mit bewährten Methoden wie Hypnosetherapie, die besonders bei stressbedingter Erschöpfung wirksam ist.