Pflegefachpersonen gehören zu den am stärksten von Burnout betroffenen Berufsgruppen. Die Kombination aus emotionaler Arbeit, Personalmangel, langen Arbeitszeiten und hoher Verantwortung führt zu einer erhöhten Gefährdung. Doch Burnout ist kein unvermeidbares Schicksal. Hier erfährst du, wie du Warnsignale erkennst und dich schützen kannst.
Was ist Burnout?
Burnout ist ein Zustand körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung, der durch anhaltenden beruflichen Stress entsteht. Es ist mehr als nur "müde sein": Betroffene fühlen sich leer, ausgebrannt und verlieren die Freude an der Arbeit, die ihnen früher Sinn gegeben hat.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Burnout durch drei Kernmerkmale:
- Emotionale Erschöpfung: Anhaltende Müdigkeit, die durch Schlaf nicht behoben wird
- Depersonalisierung/Zynismus: Negative, distanzierte Haltung gegenüber Arbeit und Kollegen
- Reduzierte Leistungsfähigkeit: Das Gefühl, nichts mehr zu schaffen
Keine anerkannte Berufskrankheit
In der Schweiz ist Burnout nicht als Berufskrankheit anerkannt. Eine entsprechende Initiative wurde 2019 vom Nationalrat abgelehnt. Das erschwert die Anerkennung und den Zugang zu Leistungen der Unfallversicherung.
Warnsignale: Burnout erkennen
Burnout entwickelt sich schleichend. Je früher du die Warnsignale erkennst, desto besser kannst du gegensteuern. Achte auf diese Anzeichen bei dir selbst und bei Kolleginnen und Kollegen:
Chronische Müdigkeit
Du fühlst dich ständig erschöpft, auch nach dem Wochenende oder den Ferien. Schlaf bringt keine Erholung mehr.
Zynismus und Distanz
Du sprichst abwertend über Patienten oder Kollegen. Die Arbeit fühlt sich sinnlos an.
Leistungsabfall
Aufgaben, die du früher locker bewältigt hast, werden zur Herausforderung. Konzentration fällt schwer.
Sozialer Rückzug
Du meidest Kontakte, ziehst dich von Familie und Freunden zurück, hast keine Energie mehr für Hobbys.
Körperliche Beschwerden
Kopfschmerzen, Muskelverspannungen, Verdauungsprobleme, häufige Infekte ohne erkennbare Ursache.
Schlafstörungen
Du kannst nicht einschlafen, wachst nachts auf, grübelst über die Arbeit. Oder du schläfst extrem viel, bist aber nicht erholt.
Die Phasen des Burnout
Burnout entwickelt sich typischerweise in mehreren Phasen. Das Erkennen der eigenen Position in diesem Verlauf hilft, rechtzeitig zu handeln.
Idealistische Begeisterung
Hohe Motivation, überdurchschnittlicher Einsatz, Vernachlässigung eigener Bedürfnisse zugunsten der Arbeit. "Ich schaffe das alles."
Stillstand und Desillusionierung
Erste Zweifel, reduziertes Engagement, Gefühl, nicht genug Anerkennung zu bekommen. Die Realität kollidiert mit den Idealen.
Frustration und Zynismus
Zunehmende Negativität, emotionaler Rückzug, körperliche Symptome. Patienten werden als Belastung empfunden.
Apathie und Zusammenbruch
Vollständige Erschöpfung, Depression, Unfähigkeit zu arbeiten. Professionelle Hilfe ist jetzt dringend nötig.
Nicht warten!
Je früher du handelst, desto besser die Prognose. Wenn du dich in Phase 2 oder 3 erkennst, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, etwas zu ändern. Warte nicht, bis du zusammenbrichst.
Warum trifft es Pflegefachpersonen besonders?
Die Pflege vereint mehrere Risikofaktoren für Burnout: emotionale Arbeit, Schichtdienst, Personalmangel und ein chronisch hoher Workload. Dazu kommt oft eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität.
- Emotionale Dauerbelastung: Pflegende werden regelmässig mit Leid, Trauma und Tod konfrontiert. Das erschöpft die psychologischen Reserven.
- Personalmangel: Zu wenig Personal bedeutet mehr Arbeit pro Kopf. Der Teufelskreis aus Überlastung, Krankheit und Fluktuation verschärft das Problem.
- Zeitdruck: "Fast niemand im Pflegeberuf hält mehr als ein 80-Prozent-Pensum aus", sagt Yvonne Ribi vom Berufsverband SBK. Zeit ist Mangelware.
- Fehlende Wertschätzung: Trotz hoher Verantwortung fühlen sich viele nicht ausreichend anerkannt, sei es finanziell oder gesellschaftlich.
- Schichtarbeit: Unregelmässige Arbeitszeiten und fehlende Planbarkeit erschweren Erholung und soziale Kontakte.
- Hohe Ideale: Wer mit dem Wunsch antritt, Menschen zu helfen, leidet besonders, wenn er diesem Anspruch nicht gerecht werden kann.
Fast niemand im Pflegeberuf hält mehr als ein 80-Prozent-Pensum aus. Zeit ist in der Pflege absolute Mangelware.
Prävention: Was du tun kannst
Burnout-Prävention ist eine gemeinsame Aufgabe von dir selbst und deinem Arbeitgeber. Hier sind konkrete Massnahmen:
Was du selbst tun kannst
- Regelmässige Pausen einhalten, auch wenn es stressig ist
- Klare Grenzen setzen und auch mal Nein sagen
- Erholungsrituale pflegen (Sport, Natur, Hobbys)
- Soziale Kontakte ausserhalb der Arbeit pflegen
- Supervision oder Peer-Support nutzen
- Eigene Stresssignale ernst nehmen
- Auf guten Schlaf achten
- Professionelle Hilfe suchen, wenn nötig
Was Arbeitgeber tun können
- Realistische Personalschlüssel sicherstellen
- Regelmässige Supervisionsangebote
- Gesundheitsförderungsprogramme anbieten
- Wertschätzende Unternehmenskultur fördern
- Flexible Arbeitszeitmodelle ermöglichen
- Fortbildungen zur Stressbewältigung
- Niederschwellige psychologische Beratung
- Betriebliches Gesundheitsmanagement
Hilfe holen: Anlaufstellen
Wichtige Kontakte
Scheue dich nicht, Hilfe zu holen. Burnout ist keine Schwäche, sondern die Folge von anhaltender Überlastung. Je früher du dir Unterstützung holst, desto schneller und vollständiger kannst du dich erholen.
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