Supervision wird zunehmend als zentraler Faktor für gesunde Arbeitsbedingungen in der Pflege anerkannt. Doch was genau ist der Unterschied zu Coaching? Und wann ist kollegiale Beratung die bessere Wahl? Dieser Artikel gibt Orientierung.
Wichtig zu wissen
Supervision ist keine Therapie. Es geht nicht um die Behandlung psychischer Erkrankungen, sondern um die professionelle Reflexion beruflichen Handelns. Wer therapeutische Unterstützung braucht, sollte sich an entsprechende Fachpersonen wenden.
Supervision, Coaching, Intervision: Die Unterschiede
Alle drei Formate unterstützen bei beruflichen Herausforderungen, unterscheiden sich aber in Zielgruppe, Methodik und Kostenstruktur.
Supervision
Mit externem Supervisor
- Für Mitarbeitende und Teams
- Fokus auf berufliches Handeln
- Externe Fachperson leitet
- Reflexion und Entlastung
- Kostenpflichtig
Coaching
Mit externem Coach
- Primär für Führungskräfte
- Fokus auf Zielerreichung
- Lösungs- und Ressourcenorientiert
- Personalentwicklung
- Kostenpflichtig
Intervision
Kollegiale Beratung
- Gleichgestellte beraten sich
- Ohne externe Leitung
- Strukturierter Ablauf
- Gegenseitige Unterstützung
- Kostengünstig
«Bei Einzelsupervisionen geht es meistens um Führungsthemen. Sie werden mittlerweile oft Einzelcoaching genannt. Supervision hat den Ruf, dass etwas nicht stimmt, Coaching klingt nach Unterstützung und Management.»Aus der Fachliteratur
Formen der Supervision
Einzelsupervision
Gespräch unter vier Augen. Ideal für sehr persönliche Themen, Führungsfragen oder wenn Vertraulichkeit besonders wichtig ist.
Gruppensupervision
Teilnehmende aus verschiedenen Bereichen oder Institutionen. Bietet vielfältige Perspektiven auf ähnliche Herausforderungen.
Teamsupervision
Für bestehende Arbeitsteams. Fokus auf Zusammenarbeit, Kommunikation und gemeinsame Fallbesprechungen.
Fallsupervision
Besprechung konkreter Patientensituationen. Besonders wertvoll bei komplexen oder belastenden Fällen.
Kollegiale Beratung: Der Ablauf in 6 Phasen
Intervision folgt einem strukturierten Ablauf. Eine arbeitsfähige Gruppe besteht aus 5 bis 10 Personen. Die Rollen werden zu Beginn verteilt: Fallgeber, Moderator und Beratende.
Die 6 Phasen der kollegialen Beratung
Wichtig: Kollegiale Beratung eignet sich nicht für Konflikte zwischen Teilnehmenden, allgemeine Organisationsfragen oder private Themen. In solchen Fällen ist eine externe Supervision die bessere Wahl.
Nutzen für Pflegekräfte und Teams
Mit Supervision und Coaching können Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen Konflikte identifizieren und klären. Team- und berufsbedingte Belastungen werden reduziert.
Für Einzelpersonen
- Reflexion des eigenen Handelns
- Entlastung bei belastenden Situationen
- Steigerung der Professionalität
- Burnout-Prävention
- Entwicklung von Handlungskompetenz
- Umgang mit Grenzsituationen lernen
Für Teams
- Verbesserung der Kommunikation
- Klärung von Konflikten
- Stärkung des Zusammenhalts
- Optimierung von Arbeitsabläufen
- Gemeinsame Fallbesprechungen
- Höhere Arbeitszufriedenheit
Kosten und Finanzierung
Die Kosten für Supervision variieren je nach Format, Dauer und Anbieter. Oft übernimmt der Arbeitgeber die Kosten, manchmal auch anteilig.
Orientierungswerte für die Schweiz
Wer bezahlt?
- Arbeitgeber: Viele Spitäler und Heime bieten Supervision als Teil des Gesundheitsmanagements an
- Teilweise Kostenübernahme: Manchmal zahlt der Arbeitgeber einen Teil, der Rest ist Eigenanteil
- Weiterbildungsbudget: Supervision kann als Weiterbildung angerechnet werden
- Privat: Einzelcoaching wird oft selbst finanziert
Wann ist Supervision sinnvoll?
Supervision muss nicht erst bei akuten Problemen beginnen. Regelmässige Reflexion ist Teil professioneller Arbeit in der Pflege. Besonders sinnvoll ist sie:
- Bei belastenden Patientensituationen (z.B. Sterbebegleitung)
- Bei Konflikten im Team oder mit Vorgesetzten
- In Umbruchphasen (neue Stelle, neue Aufgaben)
- Zur Burnout-Prävention
- Bei ethischen Dilemmata
- Für Führungskräfte (dann oft als Coaching bezeichnet)
Einen guten Supervisor finden
Die Qualität der Supervision hängt stark von der Kompetenz und Passung des Supervisors ab. Achte auf folgende Punkte:
- Qualifikation: Ausbildung in Supervision (z.B. beim BSO, der Berufsorganisation für Supervision in der Schweiz)
- Branchenerfahrung: Kenntnis des Gesundheitswesens ist von Vorteil
- Chemie: Ein Erstgespräch zeigt, ob die persönliche Passung stimmt
- Methodik: Frag nach dem Ansatz (systemisch, lösungsorientiert, etc.)
- Referenzen: Frag im Kollegenkreis nach Empfehlungen
Tipp: Erstgespräch nutzen
Viele Supervisor:innen bieten ein kostenloses oder vergünstigtes Erstgespräch an. Nutze diese Gelegenheit, um Erwartungen zu klären und zu prüfen, ob die Chemie stimmt.