Medizinische Hypnose hat nichts mit Bühnenshows oder Manipulation zu tun. Sie ist eine wissenschaftlich anerkannte Therapiemethode, die in der Schweiz standardmässig an Universitätskliniken eingesetzt wird. In diesem Artikel erfährst du, was Hypnose wirklich ist, wo sie wirkt und wie du als Pflegefachperson eine seriöse Ausbildung findest.
Mythen vs. Fakten
«Hypnose ist Kontrollverlust»
Falsch. Du bist jederzeit bei vollem Bewusstsein und kannst die Hypnose selbst beenden. Niemand kann dich zu etwas zwingen, das du nicht willst.
«Nicht jeder ist hypnotisierbar»
Falsch. Fast jeder Mensch kann in eine leichte Trance versetzt werden. Die Tiefe variiert, aber der therapeutische Nutzen ist auch bei leichter Hypnose gegeben.
«Hypnose ist wissenschaftlich belegt»
Richtig. Seit 2006 gilt die klinische Hypnose offiziell als wissenschaftlich fundierte psychotherapeutische Methode.
«Hypnose wird von Krankenkassen bezahlt»
Richtig. In der Schweiz übernimmt die Grundversicherung die Kosten, wenn die Behandlung von einer qualifizierten Fachperson durchgeführt wird.
Was ist medizinische Hypnose?
Hypnose ist ein Zustand fokussierter Aufmerksamkeit und tiefer Entspannung. In diesem Zustand ist das Bewusstsein nach innen gerichtet, die Aufnahmefähigkeit für Suggestionen erhöht und der Zugang zu inneren Ressourcen erleichtert.
Die medizinische Hypnose nutzt diesen Zustand therapeutisch. Sie hilft Patienten, ihre körpereigenen Selbstheilungskräfte zu aktivieren, Schmerzen zu reduzieren, Ängste abzubauen und belastende Erfahrungen zu verarbeiten.
Wichtig: Hypnose ist keine Narkose. Du bist jederzeit bei Bewusstsein und kannst dich an alles erinnern. Es ist eher vergleichbar mit dem Zustand kurz vor dem Einschlafen oder wenn du so vertieft in ein Buch bist, dass du deine Umgebung vergisst.
Wissenschaftliche Anerkennung
Die Wirksamkeit der Hypnose ist durch zahlreiche klinische Studien belegt. In der Schweiz und Deutschland ist sie offiziell als wissenschaftlich fundierte Therapiemethode anerkannt.
- Anerkannt durch FMH (Schweizerische Ärztegesellschaft)
- Kostübernahme durch Grundversicherung möglich
- Standardmässiger Einsatz an Universitätskliniken Lausanne und Genf
- Neurowissenschaftlich gut erforscht (fMRT-Studien zeigen messbare Hirnaktivität)
Anwendungsgebiete
Medizinische Hypnose wird in fast allen Bereichen der Medizin eingesetzt. Die Anwendungsgebiete sind vielfältig.
Schmerztherapie
Chronische Schmerzen, Kopfschmerzen, Migräne, postoperative Schmerzen. Hypnose kann das Schmerzempfinden signifikant reduzieren.
Angststörungen
Zahnbehandlungsangst, OP-Angst, Phobien, Panikattacken. Hypnose wirkt besonders effektiv bei Angstthemen.
Psychosomatik
Reizdarmsyndrom, Schlafstörungen, Tinnitus, Neurodermitis, Herz-/Atemprobleme ohne organische Ursache.
Geburtshilfe
Geburtsvorbereitung, Schmerzreduktion während der Geburt, Verarbeitung traumatischer Geburtserlebnisse.
Anästhesie
Hypnosedation (Hypnose + reduzierte Narkose), Angstreduktion vor Eingriffen, Ergänzung zu konventionellen Verfahren.
Verhaltensänderung
Raucherentwöhnung, Gewichtsreduktion, Stressbewältigung, Leistungssteigerung.
So läuft eine Hypnosesitzung ab
Typischer Ablauf (45-90 Minuten)
Je nach Thema sind unterschiedlich viele Sitzungen nötig. Bei manchen Anliegen (z.B. Raucherentwöhnung) reichen oft ein bis zwei Sitzungen. Bei komplexeren Themen können mehrere Sitzungen über einen längeren Zeitraum sinnvoll sein.
Ausbildung in der Schweiz
Wer medizinische Hypnose seriös anwenden möchte, braucht eine qualifizierte Ausbildung. In der Schweiz gibt es mehrere anerkannte Fachgesellschaften.
Schweizerische Ärztegesellschaft für Hypnose
FMH-anerkanntDie SMSH bietet FMH-anerkannte Ausbildungen und seit 2014 auch eine 4-tägige Grundausbildung speziell für Pflegefachkräfte.
- FMH und SSO anerkannt
- Mitglied ISH und ESH
- Grundausbildung für Pflegeberufe
- Fähigkeitsausweis medizinische Hypnose
Vorsicht bei unseriösen Anbietern
Hypnose ist in der Schweiz nicht geschützt. Achte bei der Wahl eines Anbieters auf anerkannte Zertifizierungen (SMSH, GHYPS) und einen medizinischen oder psychologischen Hintergrund. Seriöse Therapeuten führen immer ein ausführliches Vorgespräch.
Hypnose in der Pflege
Auch für Pflegefachpersonen bietet die hypnotische Kommunikation wertvolle Werkzeuge für den Berufsalltag. Du musst keine vollständige Hypnotherapie-Ausbildung haben, um von den Grundlagen zu profitieren. Wer sich für professionelle Hypnosetherapie in der Region Basel interessiert, findet qualifizierte Ansprechpartner mit medizinischem Hintergrund.
- Angstreduktion: Patienten vor Eingriffen oder Untersuchungen beruhigen
- Schmerzmanagement: Ablenkungstechniken, geführte Vorstellungen bei schmerzhaften Prozeduren
- Kommunikation: Positive Sprache, die Ängste nicht verstärkt
- Entspannung: Patienten in stressigen Situationen unterstützen
- Selbstfürsorge: Entspannungstechniken zur eigenen Regeneration nutzen
Hypnotische Kommunikation im Alltag
Schon einfache Techniken machen einen Unterschied: Statt «Das tut jetzt weh» kannst du sagen «Gleich spüren Sie einen kurzen Druck». Das Gehirn reagiert auf Worte. Positive Formulierungen reduzieren die Schmerzwahrnehmung nachweislich.