Prüfungsangst: Verstehen, vorbeugen, überwinden

Pruefungsangst Lernende - BFG Baselland

Schweissige Hände, Herzrasen, Blackout: Prüfungsangst kennen die meisten Menschen. In der Pflegeausbildung, wo das Qualifikationsverfahren (QV) über den Berufseinstieg entscheidet, kann diese Angst besonders belastend sein. Die gute Nachricht: Mit den richtigen Strategien lässt sich Prüfungsangst in den Griff bekommen.

15%
der Schüler und Erwachsenen sind von Prüfungsangst betroffen

Was ist Prüfungsangst?

Prüfungsangst gehört zu den sozialen Phobien. Es ist die Angst vor der Bewertung der eigenen Leistung, Kenntnisse und Fähigkeiten. Diese Angst kann sich unterschiedlich auf die Abrufbarkeit von Wissen auswirken, von leichter Nervosität bis hin zum gefürchteten Blackout.

Ein gewisses Mass an Anspannung vor Prüfungen ist normal und sogar hilfreich. Adrenalin steigert die Aufmerksamkeit und kann die Leistung verbessern. Problematisch wird es erst, wenn die Angst so gross wird, dass sie blockiert.

Die Symptome erkennen

Prüfungsangst zeigt sich auf verschiedenen Ebenen. Die Symptome können von Person zu Person sehr unterschiedlich sein.

Körperliche Symptome

  • Herzklopfen und Pulsrasen
  • Schweissausbrüche, feuchte Hände
  • Zittern (Hände, Stimme)
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Trockener Mund
  • Muskelverspannungen
  • Schlafstörungen vor der Prüfung

Emotionale Symptome

  • Starke Nervosität und Unruhe
  • Angstgefühle bis hin zu Panik
  • Unsicherheit und Selbstzweifel
  • Reizbarkeit
  • Gefühl der Hilflosigkeit
  • Hoffnungslosigkeit
  • Depressive Verstimmung

Kognitive Symptome

  • Konzentrationsprobleme
  • Denkblockaden («Blackout»)
  • Grübeln und Sorgenspiralen
  • Negative Gedanken
  • Katastrophendenken
  • Schwierigkeiten, Wissen abzurufen
  • Tunnelblick

Verhaltens-Symptome

  • Vermeidung (Prüfung absagen)
  • Prokrastination beim Lernen
  • Sozialer Rückzug
  • Übermässiges Lernen
  • Unruhiges Verhalten
  • Appetitveränderungen
  • Erhöhter Konsum (Koffein, etc.)

Woher kommt die Prüfungsangst?

Die Ursachen für Prüfungsangst sind vielfältig und oft eine Kombination verschiedener Faktoren.

Hoher Leistungsanspruch

Perfektionismus und der Drang, immer Bestleistungen zu erbringen, setzen unter enormen Druck.

Geringes Selbstwertgefühl

Wer an sich zweifelt, hat mehr Angst vor der Bewertung durch andere.

Schlechte Erfahrungen

Frühere Misserfolge oder negative Prüfungserlebnisse können sich einprägen.

Mangelnde Vorbereitung

Wer zu spät anfängt oder ineffektiv lernt, fühlt sich unsicher. Unsicherheit nährt die Angst.

Erwartungsdruck

Druck von Familie, Lehrpersonen oder sich selbst kann die Angst verstärken.

Unbekannte Situation

Wenn du nicht weisst, was dich erwartet, steigt die Unsicherheit.

Strategien vor der Prüfung

Langfristige Vorbereitung

1

Lernplan erstellen

Teile den Stoff in kleine Einheiten auf und lege fest, was wann sitzt. So wird der Berg überschaubar.

2

Früh anfangen

Je mehr Zeit du hast, desto weniger Druck. Last-Minute-Lernen verstärkt die Angst.

3

Aktiv lernen

Nur lesen reicht nicht. Zusammenfassen, erklären, abfragen lassen. Wer aktiv lernt, behält mehr.

4

Prüfungssituation simulieren

Übe unter realistischen Bedingungen: Zeitdruck, kein Spicken, alleine arbeiten.

5

Pausen einplanen

Das Gehirn braucht Erholung. Regelmässige Pausen verbessern die Merkfähigkeit.

Entspannungstechniken

Entspannungstechniken helfen, die körperliche Anspannung zu reduzieren und den Kopf frei zu bekommen. Am besten übst du sie regelmässig, nicht erst am Prüfungstag.

4-7-8 Atemtechnik

Diese Atemübung aktiviert das parasympathische Nervensystem und wirkt sofort beruhigend.

  1. 4 Sekunden einatmen
  2. 7 Sekunden Atem anhalten
  3. 8 Sekunden langsam ausatmen
  4. 3-4 Mal wiederholen

Progressive Muskelentspannung

Durch gezieltes Anspannen und Loslassen von Muskelgruppen löst du körperliche Verspannungen.

  1. Eine Muskelgruppe 5-7 Sek. anspannen
  2. Spannung lösen und 30 Sek. nachspüren
  3. Von den Füssen bis zum Kopf arbeiten
  4. Auf den Unterschied achten

Positive Visualisierung

Stelle dir vor, wie du die Prüfung erfolgreich meisterst. Dein Gehirn kann nicht zwischen Vorstellung und Realität unterscheiden. Auch therapeutische Tiefenentspannung arbeitet mit diesem Prinzip.

  1. Augen schliessen, tief durchatmen
  2. Stelle dir die Prüfungssituation vor
  3. Sieh dich ruhig und konzentriert
  4. Spüre das gute Gefühl nach der Prüfung

Der Tag vor der Prüfung

Optimaler Tagesablauf

Vormittag
Leichte Wiederholung Nicht Neues lernen, nur Bekanntes auffrischen. Karteikarten durchgehen, Zusammenfassungen lesen.
Nachmittag
Ablenkung und Bewegung Sport, Spaziergang, Freunde treffen. Das Gehirn braucht Zeit, das Gelernte zu verarbeiten.
Abend
Entspannung und Vorbereitung Tasche packen, Sachen bereitlegen. Kein Lernen mehr! Früh ins Bett.
Prüfungstag
Früh aufstehen, gut frühstücken Genug Zeit einplanen. Keine Last-Minute-Panik. Entspannungsübung vor der Prüfung.

Soforthilfe bei akuter Angst

Notfall-Tipps für den Prüfungsraum

Atmen

Tief durch die Nase ein, langsam durch den Mund aus. Ausatmen länger als Einatmen.

Erdung

Füsse fest auf den Boden. Spüre den Stuhl unter dir. 5 Dinge, die du siehst, benennen.

Pause machen

Kurz die Augen schliessen. Hände lockern. Ein Schluck Wasser trinken.

Selbstgespräch

«Ich habe gelernt. Ich kann das. Eins nach dem anderen.» Ermutige dich selbst.

Strategie wechseln

Bei Blackout: Diese Aufgabe überspringen, später zurückkommen. Leichtere Aufgaben zuerst.

Perspektive

«Eine Prüfung ist nicht alles. Ich kann sie wiederholen. Mein Wert hängt nicht davon ab.»

Für Praxisanleitende und Berufsbildner

So unterstützt du Lernende mit Prüfungsangst

Als Praxisanleitung oder Berufsbildner kannst du einen wichtigen Beitrag leisten. Sprich Lernende im geschützten Raum auf mögliche Prüfungsängste an.

  • Sichere Atmosphäre schaffen: Zeige, dass Angst normal ist und kein Zeichen von Schwäche
  • Früh erkennen: Achte auf Warnsignale wie Nervosität, Vermeidung, Leistungsabfall
  • Konkret unterstützen: Beim Erstellen von Lernplänen helfen, Prüfungssituationen üben
  • Feedback geben: Regelmässiges, konstruktives Feedback stärkt das Selbstvertrauen
  • Weitervermitteln: Bei starker Prüfungsangst an Lerncoaches oder Beratungsstellen verweisen

Wann professionelle Hilfe suchen?

Wenn die Prüfungsangst so stark ist, dass sie dein Leben beeinträchtigt, du deswegen Prüfungen vermeidest oder körperliche Symptome nicht mehr in den Griff bekommst, solltest du professionelle Hilfe suchen. Sprich mit deinem Hausarzt, der Schulleitung oder einer Beratungsstelle. Spezialisierte Angsttherapie in Basel bietet wirksame Methoden gegen Prüfungsangst.